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18. Februar 2026

Die innovative Domäne Media and Artificial Intelligene (MAIL) bei PISA 2029

OECD veröffentlicht Entwurf für Framework

Redaktion: Maria Katharina Muster

Brief mit dem Text Navigating an Evolving Digital World © Titelbild OECD (2026): “Navigating an Evolving Digital World. First Draft of the PISA 2029 Media and Artificial Intelligence Literacy (MAIL) Assessment Framework.”

Die OECD hat gemeinsam mit Mitgliedern der MAIL Expert Group (unter ihnen auch Prof. Dr. Samuel Greiff vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien) einen ersten Entwurf für das Framework der innovativen Domäne Media and Artificial Intelligence (MAIL) vorgelegt. Bis zur finalen Version des Frameworks wird das Dokument zwar noch weiter überarbeitet, der Entwurf bietet jedoch schon einen ersten Einblick in die Relevanz und Ziele der innovativen Domäne MAIL bei PISA 2029. 

Mündig und kompetent in der digitalen Welt

Digitale Medien sind im Alltag von Jugendlichen weltweit längst omnipräsent: Sie sind zu Instrumenten geworden, um Inhalte zu suchen, zu konsumieren und selbst zu kreieren sowie um mit anderen in Kontakt zu treten und zu bleiben (Leadbeater/Miller 2004: 45). Auch der Bildungsbereich wird zunehmend von digitalen Medien beeinflusst, was nicht nur Vorteile mit sich bringt und ein Umdenken bei Lehren und Lernen notwendig macht. 

Insgesamt entsteht mit diesen rasanten Entwicklungen angesichts der Fülle an verfügbaren Informationen für junge Menschen die Herausforderung, kompetent und selbstbewusst durch digitale Welten zu navigieren, indem sie beispielsweise Fakten von Falschinformationen unterscheiden und Qualitätsunterscheide in dargebotenen Inhalten erkennen (OECD 2026: 10). 

Eine Antwort auf diese Herausforderung ist die Entwicklung der sogenannten Media and AI Literacy von Schüler*innen. Diese befähigt Jugendliche dazu, sich mündig in einer sich stets verändernden digitalen Welt zu bewegen und an der Gesellschaft teilzuhaben (Karaduman 2015).

Zwei zentrale Kompetenzen bei der innovativen Domäne der PISA-Studie 2029

Mit Media Literacy ist die Fähigkeit gemeint, unterschiedliche (digitale) Medien zu konsumieren, sie zu analysieren, zu verstehen und selbst zu gestalten – und dabei mithilfe kritischen Denkens ihre Wirkung auf die Gesellschaft zu reflektieren (OECD 2026: 9). AI Literacy bezieht sich auf das technische Verständnis, das benötigt wird, um reflektiert mit KI-Anwendungen und ihren Kreationen umzugehen sowie ihren Stärken und Schwächen kritisch zu hinterfragen (OECD 2026: 9). 

Diese beiden Kompetenzen hängen eng miteinander und mit den anderen PISA-Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften zusammen. Sie sind unbedingt notwendig, um den Risiken und Gefahren entgegenzuwirken, welche mit den rasanten Entwicklungen in diesem Bereich einhergehen (OECD 2026: 21).

Im Rahmen von Media Literacy und AI Literacy sind drei Dimensionen von zentraler Bedeutung: 1) Autor*innen und Publikum (engl. authors and audiences), 2) Botschaften und Bedeutungen (engl. messages and meanings) sowie 3) Realitäten und Repräsentationen (engl. realities and representations). Zusammenfassend beinhalten diese Dimensionen 1) Interpretationen über den Kontext der jeweiligen Sender und Empfänger sowie dabei wirkende Machtverhältnisse, 2) Interpretationen über die Aufbereitung von Bedeutungen anhand unterschiedlicher Zeichensysteme (z. B. Wörter, Bilder, Symbole) und 3) Interpretationen über die bruchstückhafte Repräsentation der Realität, welche Medien (und eben auch KI-Anwendungen) jeweils leisten und leisten können (OECD 2026: 13-16). 

Ein Framework für die Messung von Kompetenzen im Rahmen einer digitalen Medienlandschaft

Mit der innovativen Domäne Media and AI Literacy will PISA 2029 messen, was Schüler*innen brauchen, um sich in einer zunehmend digitalen Welt zu mündigen Bürger*innen zu entwickeln. Es sollen Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie Bildungssysteme dabei unterstützt werden können, mit wachsenden Herausforderungen durch digitale Tools und KI-Systeme umzugehen. Eine zentrale Frage dabei ist: Wie navigieren Schüler*innen in einer Medienlandschaft, die stark von künstlicher Intelligenz geprägt ist? Dabei betrachtet die PISA-Studie Kompetenzen, die benötigt werden, um effektiv und verantwortungsvoll mit digitalen Inhalten, Medien und KI-Anwendungen umzugehen.

Im Rahmen dieser innovativen Domäne der PISA-Studie 2029 wird also erhoben, wie Schüler*innen digitale Welten bewerten und einordnen, und gemessen, wie gut sie mit den dazugehörigen digitalen Werkzeugen umgehen können. Dies wird gewährleistet mithilfe realitätsnaher Aufgaben aus Bereichen wie Schule, Freizeit oder soziale Beziehungen. Schüler*innen sollen im Rahmen der Studie dementsprechend Szenarios analysieren, Informationen kritisch in Bezug auf ihren Faktenwert analysieren, in virtuellen Räumen zusammenarbeiten und ethisch reflektiert sowie kreativ eigene Inhalte erstellen. 

Zum Framework-Entwurf

Quellen

Karaduman, S. (2015): “The Role of Critical Media Literacy in Further Development of Consciousness of Citizenship”, Procedia - Social and Behavioral Sciences, Vol. 174, S. 3039-3043, doi. org/10.1016/j.sbspro.2015.01.1095

Leadbeater, C. and P. Miller (2004): The Pro-am Revolution: How Enthusiasts Are Changing our Society and Economy, Demos, demos.co.uk/wp-content/uploads/files/proamrevolutionfinal.pdf

OECD (2026): “Navigating an Evolving Digital World. First Draft of the PISA 2029 Media and Artificial Intelligence Literacy (MAIL) Assessment Framework.” https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/about/projects/edu/the-pisa-2029-media-and-artificial-intelligence-(mail)-assessment-will-shed-light-on-whether-young-students-have-had-opportunities-to-learn-and-to-engage-proactively-and-critically-in-a-world-where-production,-participation,-and-social-networking-are-increasingly-mediated-by-digital-and-ai-tools-/PISA%202029%20MAIL%20Assessment%20Framework%20First%20Draft.pdf