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Aktuelles -
PISA
1. Oktober 2026
Erkenntnisse und Implikationen aus PISA 2025
Achte bundesweite Fachtagung des ZIB in Berlin
Welche Schlüsse lassen sich aus den Ergebnissen der PISA-Studie 2025 ziehen? Dieser Frage widmete sich am 16. September 2026 die achte bundesweite Fachtagung des ZIB in der Bayerischen Landesvertretung in der Bundeshauptstadt Berlin. Geladen waren Vertreter*innen der Bildungspolitik, -forschung und -praxis sowie der Medien.
Ergebnisse aus einer Milliarde Datenpunkten – Was zeigen die längerfristigen Trends der PISA-Studie und wo müssen wir genauer hinschauen? Unter dieser Leitfrage stellte Prof. Samuel Greiff die Ergebnisse aus PISA 2025 vor: 15-Jährige in Deutschland erzielten 2025 so niedrige Ergebnisse wie in keiner PISA-Studie zuvor. Dies betrifft alle drei Kompetenzbereiche: Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik. Damit erreicht Deutschland im internationalen Vergleich nur noch den OECD-Durchschnitt. Außerdem ist der Zusammenhang zwischen Kompetenzen und sozioökonomischem Status in Deutschland weiterhin besonders stark.
Dabei gibt es auch positive Entwicklungen: „Eine gute Nachricht ist, dass wir im modellbasierten Problemlösen auch eine relativ breite Spitze haben. Wir haben keine Generation, die nichts mehr kann, sondern eine Generation die zum Beispiel digitale Werkzeuge gut nutzen kann, um Probleme zu lösen“, betont Greiff.
Impulse aus der Bildungsforschung
In ihrem Vortrag zur Sicherung der funktionalen Grundbildung identifizierte die Co-Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) Prof. Felicitas Thiel vier zentrale Herausforderungen für das Bildungssystem: Vor allem mangelnde basale Kompetenzen, zum Beispiel in Mathematik und Lesen, erschweren die Lern- und Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen. Lehrkräfte sehen außerdem in den großen Kompetenzunterschieden innerhalb von Klassen eine bedeutende Herausforderung. In Bereichen wie Mathematik, Chemie und Physik zeigt sich in Deutschland ein deutlicher Rückgang in der Motivation von Schüler*innen. Zudem zeigen Studien wie COPSY, dass psychische Belastungen und Verhaltensprobleme die Lernsituation vieler Schüler*innen erschweren. Ansatzpunkte sieht Thiel unter anderem in adaptivem Unterricht, der Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen sowie einer stärkeren Berufsorientierung.
Prof. Aladin El-Mafaalani, Bildungs- und Migrationssoziologe der Technischen Universität Dortmund, sprach über „Bildungsungleichheit im Wandel: Alte Probleme, aber neue Herausforderungen“. Er zeigt auf, dass sich Bildungsungleichheit bereits vor der Einschulung entwickelt und im weiteren Schulverlauf wächst. Dies unterstreicht die Bedeutung frühkindlicher Bildung sowohl für die Kompetenzentwicklung als auch für die Chancengleichheit im Bildungssystem. Laut El-Mafaalani hat sich die Kindheit durch gesellschaftliche Entwicklungen wie Digitalisierung stark verändert. Das Familienleben pluralisiert sich zunehmend und sorgt dafür, dass Kinder ihren Bildungsweg mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen starten.
Zusätzlich haben sich Armutsstrukturen weiter verfestigt und qualitative Studien zeigen einen Verlust des Gestaltungsoptimismus für eine bessere Zukunft: „Heute wachsen diese Kinder auf und selbst ihre Lehrkräfte glauben es wird schlechter“, so El-Mafaalani. Letztlich schaffen superdiverse Schulklassen mit internationalen Familiengeschichten aus aller Welt und verschiedenen Generationen der Zuwanderung eine neue soziale Komplexität im Klassenzimmer. Gleichzeitig, so El-Mafaalani bleiben Potenziale der Bildungsangebote wie Ganztagsbetreuung bisher kaum genutzt: „Wir haben viel mehr Zeit in die Bildungsinstitutionen verlagert und nutzen diese Zeit nahezu nicht. Das führt dazu, dass wir hohe Kosten haben und die Ergebnisse runtergehen“.
Podiumsdiskussion zu den Implikationen von PISA 2025
Zum Finale der Tagung führte der Bildungsjournalist Dr. Jan-Martin Wiarda durch eine Podiumsdiskussion zu den Implikationen von PISA 2025 für Politik, Wissenschaft und Praxis. Auf dem Podium diskutierten die Vortragenden Prof. Felicitas Thiel und Prof. Aladin El-Mafaalani mit Dr. Petra Bahr (Staatssekretärin BMBFSFJ), Isabel Lenius (Schulleiterin aus Hannover) und Andreas Jung (Kultusminister Baden-Württemberg). Thematisiert wurde beispielsweise der Bedarf standardisierter Tests, die Förderung frühkindlicher Bildung, die Bedeutung von Kompetenzorientierung und länderübergreifende Kooperationen.